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  • géraldine

Ausserordentliche Zeiten

Da sitzen wir nun alle Daheim, oder einige von uns... ich habe schon ein paar Tage vor dem Shut Down aufgehört Kunden und Kundinnen bei mir zu empfangen. Nun ist es offiziell dass ich nicht mehr arbeiten darf. Find ich richtig so, für unsere Eltern und Grosseltern, für die Schwächeren.

Wie das finanziell gehen soll, das frage nicht nur ich mich.


Wir sind so viele in diesem grossen, unbekannten Boot in einem Weltenmeer mit schäumend hohen Wellen. Man munkelt von Entschwundenen, von solchen die noch herumirren zwischen den Welten. Geschichten von Flaschenpostformularen werden erzählt, Sagen und Märchen von Kredithaien die herumlungern, sich die Zähne fletschen und dann am Ende vielleicht doch garnicht zubeissen... Wir strecken die nackten Füsse in die Gischt, aber annetzen geht nicht, reinspringen in diese tosenden, unklaren Tiefen oder oben bleiben. Dunkle Erzählungen ermüden die Brieftauben. Arme Täubchen... so viel Gewicht an ihren Füssen, so viel hin und her. Wer taucht am Ende aus den Fluten wieder auf?

Ich bleibe sitzen, den Kopf auf die Knie gelegt, wartend, ob der Sterntalerregen einen kleinen Segen bringt. Ich bleibe sitzen, zurückgezogen aber nicht unglücklich. Ich bleibe sitzen und bleibe gesund. Ich bleibe sitzen, zähle Wolken und Sterne, male ein Lachen an die Wohnzimmerdecke und verstecke ein Kichern für später. Man weiss ja nie. Ich bleibe sitzen.



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